Architektur

Energiekonzepte

Büro

Kindergarten mit 2 Wohnungen, Calandastrasse 50 Chur

Auftraggeber: Stadt Chur

Baujahr: 2015

Leistungen: Projektierung, Bauleitung und Energiekonzept

Projektleitung: Patrick Pfleger

Mirarbeit: Matthias Stöckli, Andrea Nipkow

Ausgangslage
Auf dem Areal der alten Kunsteisbahn (KEB) an der Calandastrasse in Chur wurde eine neue Überbauung mit mehreren Wohnblöcken umgesetzt. Für die bestehenden Kindergärten, welche sich auf dem Areal befanden, musste bis Herbst 2015 ein geeigneter Ersatz geschaffen werden.
Die benachbarte Liegenschaft an der Calandastrasse 48/50, welche im Besitz der Stadt Chur ist, erfüllt die Vorgaben des Raumprogrammes und eignet sich auch bezüglich Standort und räumlicher Qualitäten.
Die Stadt Chur ist seit 2011 Energiestadt und hat sich im Rahmen Energiekonzept 2020 verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Aus dem Bericht (Stand November 2010) geht hervor, dass vor allem bei den Kindergärten grosser Handlungsbedarf bezüglich Energieeffizienz besteht.

Architektur
Das Gebäude wurde vor 100 Jahren nach den Plänen der Architekten Schäfer & Risch als Wohn- und Geschäftshaus für die Brüder Beck gebaut.
Das Wohnhaus zeichnet sich klar durch die Gebäudehöhe und die Fassadengestaltung als Hauptvolumen des Ensembles aus. Der Nebenbau ist tiefer und bildet durch die L-förmige Geometrie einen Innenhof, der mit den Rundbögen und dem weit vorragenden Dach eine hohe räumliche Qualität aufweist.
Im Laufe der Jahre sind beide Gebäude mehrmals umgebaut und umgenutzt worden. Diese Eingriffe haben zu einer „Verunklärung“ des architektonischen Ausdrucks geführt.
Der Kindergarten und die beiden neuen Wohnungen haben einen vom Gebäude auf zwei Seiten gefassten Freiraum, der für den Kindergarten als Spielplatz ausgestaltet wurde. Der Bau profitiert von seiner Lage direkt an der öffentlichen Freifläche des Quartierplanes alte KEB. Dieser kann vom Kindergarten als Aussenraum genutzt werden.

Das ursprüngliche Gebäudevolumen wurde wieder hervorgehoben, in dem die Anlieferungsrampe auf der Nordseite rückgebaut und die alte Dachform im Osttrakt wieder hergestellt wurde.
Die zwei Kindergärten sind auf den Innenhof ausgerichtet und nutzen diesen als gemeinsamen Aussenraum.
Um die Wohnräume im Dachgeschoss grosszügig zu belichten wurden übergrosse Lukarnen erstellt. Diese neuen Gebäudeteile beziehen sich auf die Achsen der Bögen des Innenhofes sowie der bestehenden Dachkonstruktion. Auf der Süd- und Westseite ermöglichen sie grosse solare Direktgewinne und dienen gleichzeitig als Aussenräume der Wohnungen. Durch die hohe Ausbildung der Lukarnen erscheinen diese elegant und erinnern in der Proportion an Dachaufbauten von Schäfer & Risch-Gebäuden. Durch ihre Dimension haben sie jedoch die Grosszügigkeit eines modernen Elementes und sind klar als neuer Eingriff erkennbar.
Die ursprünglich zurückhaltende Nordfassade ist durch die neuen Fenster und den hinteren Eingang neu gestaltet und aufgewertet worden.
Im bestehende Untergeschoss sind Lager-, Kellerräume und die Haustechnik untergebracht.

Materialisierung
Schulbauten sind bezüglich Innenraumklima besonders sensibel. Daher wurden ökologische und toxikologisch unbedenkliche Baumaterialien und -konstruktionen verwendet.
Die atmungsaktive Materialisierung des Innenraums mit naturbelassenen Holzbalken, Kalksandsteinen und geölten Parkettböden regulieren die Feuchtigkeit im Raum und absorbieren Gerüche.
Sämtliche Decken über dem Erdgeschoss wurden durch Holzbalkendecken mit darüberliegenden Kalksandsteinen (Holzbetonverbunddecken) ersetzt. Dadurch wird eine hohe Wärmeabsorption erreicht (Energiekonzept) und die Raumakustik verbessert. Das Treppenhaus wurde in Sichtbeton ausgeführt. Die Innenwände sind mit einem mineralischen Verputz versehen. Auf die Böden wurde sowohl in den Kindergärten wie auch in den Wohnungen Parkett verlegt.
Die Aussenflächen der Fassade sind neu verputzt. Sämtliche Blechabschlüsse sind in Kupfer ausgeführt.
Die bestehenden Biberschwanzziegel der Dacheindeckung wurden wiederverwendet.

Publkationen:
Bericht Tec21
Bericht Kultchur
Buch: Solararchitektur, Häuser mit solarem Direktgewinn von Andrea Rüedi, Peter Schürch und Jörg Watter