Architektur

Energiekonzepte

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Energieautarkes Einfamilienhaus Hinder Selias, Maladers

Auftraggeber: Matthias und Sandra Stöckli-Gubler

Baujahr 2011

Projektleitung : Matthias Stöckli

Maladers liegt im Schanfigg an einem Südhang 7 km von Chur entfernt. Das Grundstück ist rund 30° geneigt. Die Erschliessung der Parzelle erfolgt im Norden über eine Quartierstrasse. Die unverbaubare Aussicht in Richtung Malix und Arosa sind wichtige Qualitäten des Grundstücks. Am kürzesten Tag des Jahres beträgt die Sonnenscheindauer knapp vier Stunden.


Raumkonzept
Das asymmetrische Gebäudevolumen mit dem First längs zum Hang bildet ein Gegenüber zum Wohnhaus Selias 4, welches ebenfalls einen nicht mittig angeordneten First aufweist. Durch die Ausrichtung und das Angleichen der Dachform an die Gebäude aus dem Dorf, sowie die Materialisierung der Fassade mit ortstypischen Baustoffen stellt das Gebäude einen starken Bezug zur bebauten Umgebung her. Eine Verschmelzung des Grundsatzes „Form follows Energy“ mit den örtlichen Gegebenheiten bildet den Kern des architektonischen Konzeptes. Die Südfenster sind mehrheitlich im Erdgeschoss angeordnet. Um die solaren Direktgewinne absorbieren zu können, befindet sich der hauptsächliche Teil der Gebäudemasse auf diesem Geschoss. Da Wärme durch natürliche Thermik nach oben steigt, ist im Gebäude keine aktive Wärmeverteilung notwendig. Im Erdgeschoss wurde der Betonboden im Homogenverfahren geglättet und dunkel eingefärbt. Der Konstruktionsbeton erfüllt nebst seiner tragenden Funktion die Anforderungen an einen strapazierfähigen Bodenbelag und dient zugleich als Speicher für die Sonnenwärme. Die Deckenkonstruktion aus Holzbalken und Kalksandsteinen ist ebenfalls darauf ausgelegt die Sonnenenergie zu speichern.


Energiekonzept
Das Gebäude ermöglicht den Bewohnern unabhängig von fremden Energieträgern zu leben. Durch konsequente Energieeffizienz und minimalem Einsatz von Technik ist ein langfristig nachhaltiges Gebäude entstanden. Einzig die Energie fürs Kochen und für den kleinen Heizwärmebedarf wird nicht auf dem Grundstück erzeugt. Da jedoch ausschliesslich mit Holz gekocht und geheizt wird, stammt auch diese erneuerbare Energie aus der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes.


Elektrische Energie
Die notwendige elektrische Energie wird durch eine 3.8 kWp Photovoltaikanlage auf der Südseite des Gebäudes erzeugt. Die Panels sind so angeordnet, dass sie im Winter einfach vom Schnee befreit werden können. Die Gebäudetechnik ist so ausgelegt, dass möglichst viel der benötigten elektrischen Energie bei Sonnenschein gebraucht wird. Der Überschuss wird in herkömmlichen Akkus gespeichert. Die nutzbare Speicherkapazität beträgt 19 kWh und reicht um 5 Schlechtwettertage zu überbrücken. Die Anlage ist so entwickelt, dass es jederzeit möglich ist ein alternatives zusätzliches Speichermedium (z. B. Brennstoffzellen) in die Anlage zu integrieren. Sämtliche Elektrizitätsverbraucher sind nach den Kriterien vom minimalen Stromverbrauch gewählt. Anstelle von neuen Akkus wurden Occasionen aus einer Notstromanlage eingesetzt.


Kosten
Energieeffizient bauen und auf Sonnenenergie setzen muss nicht zwingend teuer sein. Dies wird mit diesem Haus bewiesen. Die Baukosten (BKP 2) betrugen trotz der erschwerten Ausgangslage durch den 30° steilen Hang rund CHF 550‘000.-. Dank der Solarbauweise konnten die Kosten von Wärmeerzeugung und -verteilung auf CHF 15‘000.- reduziert werden. Die Mehrinvestition für die Inselanlage (Inselwechselrichter + Akkus) konnte durch die Einsparung der Anschlussgebühr, sowie der Grab- und Teerarbeiten kompensiert werden.

Publikationen:
Bericht NZZ am Sonntag
Bericht Landbote
Buch: Solararchitektur, Häuser mit solarem Direktgewinn von Andrea Rüedi, Peter Schürch und Jörg Watter